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   Musikverleger
   Josef Weinberger



   Operetten-
   Komponist
   Emmerich Kálmán



   Jan Rolf Müller,
   Geschäftsführer
   Josef Weinberger
   Musikverlage


50 Jahre Josef Weinberger Musikverlage Frankfurt am Main:
Ansporn und Verpflichtung

Eigentlich hätte es ja in diesem Jahr das 114. Firmenjubiläum sein können. Doch der Nationalsozialismus hat dieser Feier einen Strich durch die Rechnung gemacht... Doch eins nach dem anderen: In Kooperation mit dem Verlag Friedrich Hofmeister gründete der Wiener Musikverleger Josef Weinberger im Jahre 1889 eine Niederlassung in Leipzig. Einige Jahre später gelang dem gebürtigen Ungarn Weinberger als erstem Verleger überhaupt der Vertragsschluss mit Gustav Mahler. Mahlers frühe Symphonien und Liedzyklen erschienen ab 1897 als Erstausgaben beim Leipziger Haus. Bis zu seinem Tod 1928 konnte Weinberger den Verlagskatalogen viele große Namen hinzufügen, darunter Johann Strauß (Sohn), Emmerich Kálmán, Franz Lehár, Erich Wolfgang Korngold und Ermanno Wolf-Ferrari. Er war außerdem entscheidend beteiligt an der Gründung der österreichischen Verwertungsgesellschaft AKM (1897) und des Verlages Universal Edition (1901).


Im Zuge der „Arisierung“ zerschlagen

Nach dem Tod des Verlagsgründers übernahm Weinbergers Neffe Dr. Otto Blau unter schwierigen Bedingungen die Konzernleitung. Unter der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten wurden die Leipziger und die Wiener Firma im Zuge der „Arisierung“ zerschlagen. Otto Blau musste die Verlage für eine lächerliche Summe verkaufen. Selbst die 1936 in London gegründete Firma Josef Weinberger Ltd. wurde gezwungen, die „arischen Werke“ zurückzugeben. Riesige Bestände an Notenmaterial und anderen Dokumenten fielen später in Berlin den Bomben zum Opfer. Nach Kriegsende stand Otto Blau vor der Aufgabe des Wiederaufbaus. Jahrelang kämpfte er um die Restitution der Verlage und der verlorenen Rechte. Sein wichtigster Mitstreiter dabei war der Wiener Johann Michel, den Blau mit dem Neuanfang in Wien und ebenso in Deutschland betraute. Als neuen deutschen Firmensitz wählte man Frankfurt am Main, der Gesellschaftsvertrag ist datiert vom 23. April 1953, am 1. Januar 1954 wurde der Verlag Mitglied der GEMA.

Zwei Jahre zuvor hatte Johann Michel bereits einen anderen Verlag in Frankfurt aus der Taufe gehoben: Melodie der Welt. Lange Jahre arbeiteten die beiden Verlagsgruppen in Bürogemeinschaft. Auch nach der räumlichen Trennung Ende der sechziger Jahre blieben die beiden Unternehmen einander partnerschaftlich verbunden - bis heute.

In den ersten 50 Jahren entwickelte der Verlag vielfältige Aktivitäten, teils in Kooperation mit den Häusern in Wien und London, teils auf ganz eigenen Wegen. Entscheidend geprägt wurde die Arbeit bis weit in die neunziger Jahre durch Johann Michel. Er ist bis heute Geschäftsführer aller Verlage. Und bis heute bilden die umfangreichen Operettenkataloge (z.B. Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ und „Gräfin Mariza“) einen wichtigen Schwerpunkt des Verlagsprogramms. So wird seit geraumer Zeit auf Kálmáns 50. Todestag am 30. Oktober 2003 hingearbeitet. Ebenso bedeutsam sind die Werke Franz Lehárs, wie „Die lustige Witwe“, „Land des Lächelns“ oder „Der Zarewitsch“. Den von Lehár selbst gegründeten Glocken Verlag administriert Weinberger weltweit. In Zusammenarbeit mit Josef Weinberger London werden die großen amerikanischen Musicalkataloge Music Theatre International (z. B. „Anatevka“) und Rodgers & Hammerstein („The King and I“) sowie zahlreiche Werke britischer Komponisten (u .a. Paul Patterson, Alan Wilson) ausgewertet.

Weitere Repertoirebereiche decken die Frankfurter Tochterfirmen ab: Ring Musik arbeitet seit 1964 im Bereich Film und Fernsehen. Neben der Auswertung von Originalmusiken (wie beispielsweise Peter Thomas' legendäre „Raumpatrouille“) wird Archivmusik verlegt und auf Tonträgern produziert, also Instrumentalmusik für Film, Fernsehen, Video, Werbung etc. Der Heros Musikverlag (vormals Hamburger Musikverlag) arbeitet seit 1972 im Bereich der ernsten Musik, vertritt als deutscher Subverleger den traditionsreichen italienischen Verlag Casa Musicale Sonzogno (Mascagni, Leoncavallo, Puccini, Cilea, Giordano) und wertet in Zusammenarbeit mit Weinberger Wien die Kompositionen Friedrich Guldas aus; daneben wird Unterrichtsliteratur verlegt (z. B. „Schule der Rockgitarre“ von Andreas Scheinhütte).

Insbesondere der Arbeit der Frankfurter Töchter Ring Musik und Heros Musikverlag galt das Engagement des langjährigen Verlagsleiter Adolf Wilms, der zudem als Produzent die hauseigenen Archivmusik-Labels Golden Ring Records und Happy Records aufbaute. In bester Weinberger-Tradition war Wilms - wie vor ihm Johann Michel - lange Jahre auch für die GEMA tätig, und zwar als Mitglied im Wertungsausschuss für Unterhaltungs- und Tanzmusik. Im Sommer 2000 beendete Adolf Wilms schließlich nach 46 Jahren seine aktive Laufbahn. Seither leitet Jan Rolf Müller die Frankfurter Verlage als Geschäftsführer. 50 Jahre Josef Weinberger Frankfurt werden ihm und seinen Mitarbeitern weiterhin „Ansporn und Verpflichtung“ sein.

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Musikmarkt.(Heft 19/2003, 05.05.2003)


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